Aminosäuren – Bausteine des Lebens und essentiell für den Organismus

Aminosäuren

Aminosäuren sind gewissermaßen die Bausteine des Lebens. Sie stellen die einfachsten Bestandteile der Proteine dar und werden zur Bildung von Hormonen und Enzymen sowie zum Muskelaufbau benötigt. Von etwa 20 bekannten, in der Natur vorkommenden Aminosäuren kann der Mensch nur einige wenige selbst produzieren. Die restlichen, die sogenannten essentiellen Aminosäuren, müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. 

Glutathion

Glutathion ist ein Peptid aus den drei Aminosäuren Glutaminsäure, Cystein und Glycin. Es ist in fast allen Zellen in hoher Konzentration enthalten und gehört zu den wichtigsten antioxidativ wirkenden Stoffen im Körper. Glutathion dient der Zelle als Transportmolekül, um Aminosäuren in die Zellen zu schleusen. Das Tripeptid steuert Zellteilung und Reparaturgene. Es schützt vor Strahlungsschäden und ist in der Lage, Vitamin C und Vitamin E zu regenerieren. Glutathion fördert den Aufbau der Darmschleimhaut und schützt diese, stärkt den Leberstoffwechsel und unterstützt die Zellentgiftung.

  • Therapeutischer Wirkungsbereich: 100–2'000 mg
  • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 2'000 mg

Glycin

Glycin ist unerlässlich für ein gesundes Bindegewebe, als Helfer bei Entgiftungsreaktionen in der Leber und für die körpereigene Produktion von Kreatin.

  • Therapeutischer Wirkungsbereich: 500–3'000 mg
  • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 4'000 mg

Kreatin

Kreatin ist keine klassische Aminosäure, sondern ein verwandtes Guanidin. In Form von Kreatinphosphat ist die Substanz Energiespeicher und charakteristischer Bestandteil der Skelettmuskulatur. Kreatin spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel der Herzmuskulatur, des zentralen Nervensystems und der Spermien. Die Substanz verhindert bei Diabetikern und Leistungssportlern die Bildung von Ketonkörpern, welche bei der Energiegewinnung durch den Abbau von körpereigenem Protein entstehen können. Kreatin fördert die Regeneration des Körpers nach sportlicher Leistung.

  • Therapeutischer Wirkungsbereich: 500–3'000 mg
  • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 5'000 mg

L-5-Hydroxytryptophan

5-HTP ist die "pflanzliche Schwester" der Aminosäure L-Tryptophan und kommt in der ostafrikanischen Schwarzbohne (Griffonie simplicifolia) vor. Die Substanz hat weitgehend die gleichen Eigenschaften wie L-Tryptophan, unter anderem wirkt sie stimmungsaufhellend und gewichtsregulierend. 5-HTP kann die Blut-Hirnschranke passieren und somit schneller und effizienter wirken als Tryptophan.

  • Therapeutischer Wirkungsbereich: 10–100 mg
  • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 200 mg

    L-Arginin

    Arginin ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt, u. a. am Knochen- und Fettstoffwechsel. Arginin reguliert die Gefässspannung bzw. -weite und verhindert ein Verklumpen der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation). Ausserdem spielt diese Aminosäure eine wichtige Rolle beim Entgiften von Ammoniak, dem Harnstoffzyklus in der Leber. Sie steigert die Immunkompetenz und unterstützt die Wundheilung.

     

    • Therapeutischer Wirkungsbereich: 1'000–6'000 mg
    • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 6'000 mg

      L-Carnitin

      L-Carnitin wird von Muskeln, Herz, Leber, Nieren benötigt. Carnitin unterstützt den Energie- und Fettstoffwechsel und ist beteiligt am oxidativen Abbau der Fettsäuren. Weiterhin dient die Substanz bei der Entgiftung als Transportmolekül für mittel- und langkettige Fettsäuren und als Regulator im Kohlenhydratstoffwechsel. Neben seiner antioxidativen Schutzfunktion stärkt L-Carnitin das Immunsystem und hat eine allgemein leistungssteigernde Wirkung; Ermüdung und Erschöpfung werden bekämpft.

       

      • RDA 100 %: keine bekannt
      • Therapeutischer Wirkungsbereich: 50–2'000 mg
      • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 10'000 mg

      L-Carnosin

      Carnosin ist ein Dipeptid, bestehend aus den Aminosäuren Beta-Alanin und Histidin. Als natürlicher Bestandteil tierischer und menschlicher Zellen – vor allem der langlebigen Zellen in Gehirn und Muskulatur – wirkt Carnosin als wasserlösliches Antioxidans und kann schädliche Wirkungen von Zellverbindungen verhindern. Wichtigste Eigenschaft ist der Schutz vor Glykosilierung von Zellbestandteilen, relevant unter anderem gegen Hautalterung oder grauen Star.

       

      • Therapeutischer Wirkungsbereich: 250–1'500 mg
      • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 2'000 mg

      L-Glutamin

      Glutamin verbessert die mentale Fitness. Die Aminosäure liefert Energie für das Immunsystem und für Verdauungsarbeit und unterstützt die Ammoniak-Entgiftung im zentralen Nervensystem. Die Aminosäure ist auch für die Wassereinlagerung in die Zellen verantwortlich. So bewirkt sie bei körperlicher Belastung eine Vergrösserung des Zellvolumens, was dort die Protein- und Glykogenbildung fördert. Glutamin wirkt nicht nur Muskulatur aufbauend, sondern zusätzlich aktiv dem Abbau entgegen. Glutamin unterstützt die körperliche Regeneration während des Schlafes.

      • Therapeutischer Wirkungsbereich: 500–9'000 mg
      • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 12'000 mg

      L-Isoleucin

      Die Muskulatur ist der wichtigste Ort für die Speicherung und Metabolisierung der verzweigtkettigen Aminosäure Isoleucin. Aufgrund ihrer sowohl auf- als auch abbauenden (anabolen und katabolen) Eigenschaften spielt sie eine zentrale Rolle im Muskel- bzw. Proteinstoffwechsel. Isoleucin
      verbessert auch die psychische Belastbarkeit.

      • Therapeutischer Wirkungsbereich: 500–2'000 mg
      • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 2'000 mg

      L-Leucin

      Leucin spielt im Energiehaushalt des Muskelgewebes sowie beim Aufbau/der Erhaltung von Muskulaturgewebe eine zentrale Rolle. So unterstützt Leucin die Proteinsynthese in Muskulatur und Leber, hemmt den Abbau von Muskelprotein und unterstützt Heilungsprozesse. Wie L-Isoleucin dient
      auch L-Leucin als Energielieferant. Die Aminosäure hilft, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren.

      • Therapeutischer Wirkungsbereich: 500–3'000 mg
      • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): keine bekannt

      L-Lysin

      Lysin ist von Bedeutung für die Kollagen- und Elastin-Biosynthese, den Knochen- und Kalziumstoffwechsel, die Stickstoffbilanz bzw. Carnitin-Biosynthese und für den Hormonstoffwechsel. Lysin unterstützt die Heilung bei Herpes-Infektionen.

      • Therapeutischer Wirkungsbereich: 500–3'000 mg
      • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 5'000 mg

        L-Ornithin

        Ornithin gehört nicht zu den klassischen Aminosäuren: Es ist ein Spaltprodukt von Arginin und organischer Säure. Die Substanz unterstützt die Entgiftungskapazität der Leber und wirkt mit bei der Freisetzung von Hormonen wie Glukagon, Insulin, Prolaktin und Wachstumshormon und wirkt dadurch muskulaturaufbauend (anabol). Ornithin hat eine stabilisierende Wirkung auf Spermien.

        • Therapeutischer Wirkungsbereich: 200–1'500 mg
        • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 5'000 mg

          L-Phenylalanin

          Phenylalanin ist eine essenzielle aromatische Aminosäure und Vorstufe von Tyrosin. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Biosynthese der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin sowie bei der Synthese von Neurotransmittern und von Endorphinen, den «Glückshormonen», und wirkt damit Depressionen entgegen. Phenylalanin ist auch die Ausgangssubstanz von Melaninpigment (Sommerbräune), das zum Schutz gegen die schädigende Wirkung ultravioletter Strahlung gebildet wird.

          • Therapeutischer Wirkungsbereich: 200-5'000 mg
          • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 5'000 mg

            L-Prolin

            Prolin ist wichtig für die Kollagenbiosynthese und damit für den Aufbau von Sehnen, Knochen und Gelenken. Prolin dient aber auch zur Energiegewinnung und damit zur Leistungserhaltung der Muskulatur, wenn die Vorräte an Blutglukose erschöpft sind. Die Aminosäure wirkt Gefässablagerungen entgegen.

            • Therapeutischer Wirkungsbereich: 100–1'000 mg
            • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 1'000 mg

              L-Threonin

              Threonin, obwohl essenziell, ist eine noch wenig erforschte Aminosäure. Bekannt sind seine Funktionen im Immunsystem, bei der Blutgewinnung, als Bestandteil vieler Enzyme und Hormone und im Harnsäure-Stoffwechsel. Threonin fördert die Durchblutung und wird bei körperlicher Belastung (Sport) zur Energiegewinnung herangezogen.

              • Therapeutischer Wirkungsbereich: 200–1'500 mg
              • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 4'000 mg

                L-Tryptophan

                Neben der Proteinsynthese spielt Tryptophan als Vorstufe des «Glückshormons» und Neurotransmitters Serotonin und des Epiphysenhormons Melatonin eine wichtige Rolle im Zentralnervensystem. Insbesondere unterliegt diesen Substanzen die Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus, der Stimmungslage, der Appetitkontrolle, der Stresstoleranz und der Schmerzwahrnehmung. Tryptophan ist auch in Kakaobohnen vorhanden, damit erklärt sich die stimmungsaufhellende Wirkung von Schokolade.

                • Therapeutischer Wirkungsbereich: 200–3'000 mg
                • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 3'000 mg

                  L-Tyrosin

                  Tyrosin entsteht im Stoffwechsel aus Phenyalanin. Im Nebennierenmark werden aus Tyrosin die Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin gebildet. Auch die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) bilden sich aus Tyrosin-Untereinheiten. L-Tyrosin hat als Ausgangsstoff für Neurotransmitter eine stimmungsaufhellende Wirkung und wird wie L-Phenylalanin auch als mildes Antidepressivum eingesetzt.

                  • Therapeutischer Wirkungsbereich: 200–1'500 mg
                  • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 6'000 mg

                    L-Valin

                    Valin unterstützt Nervenfunktionen und das Immunsystem. Die Aminosäure kommt in allen wichtigen Proteinen vor. Valin spielt wie Isoleucin und Leucin eine wichtige Rolle im Muskel- und Proteinstoffwechsel. Im arbeitenden Muskel dienen diese Aminosäuren auch der Energiegewinnung.

                    • Therapeutischer Wirkungsbereich: 200–5'000 mg
                    • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 5'000 mg

                      Taurin

                      Taurin ist eine organische Säure mit einer Aminogruppe, aber keine Aminosäure im klassischen Sinn. Taurin entsteht im Körper aus Cystein. Die Substanz ist Bestandteil von Gallensäuren (Taurocholsäure, Taurodesoxycholsäure), erfüllt Neurotransmitterfunktionen, schützt als Antioxidans die Zellen vor oxidativer Schädigung und reguliert Herzschlag und Blutdruck mit.

                       

                      • Therapeutischer Wirkungsbereich: 200–1'500 mg
                      • Sicherheitsgrenze (Schätzwert): 4'000 mg